Das Konzert
Katalog der Fördergemeinschaft junger Kunst e.V., 1 Mar 2008
Das Konzert
Wo einst Güterzüge mit hoher Geschwindigkeit entlangfuhren, gaben Markus Stockhausen und Tara Bouman ein einzigartiges Konzert, umgeben von einer subtilen Lichtperformance des Lichtkünstlers Rolf Zavelberg.
Manchmal verlässt die Musik den Konzertsaal, um an einem Ort, der zu gänzlich anderen Zwecken einmal gebaut und genutzt wurde, zu wirken. Die Inspiration durch den Genius Loci lässt dann Werke entstehen, deren ortsgebundene Einmaligkeit die Zuhörer und Zuschauer unmittelbar in ihren Bann schlägt. Allein die Tatsache, dass sich knapp 200 Besucher in dem stillgelegten Eisenbahntunnel einfanden, um bei einer Raumtemperatur von frischen 12° Celsius rund zwei Stunden auf dünn gepolsterten Holzstühlen Platz zu nehmen, bewies, dass der Geist des Ortes nicht nur Musiker zu inspirieren vermochte. Die Atmosphäre sprach eine eindeutige Sprache: zu beiden Seiten grober Beton, oben ein Gewölbe aus rohen Ziegeln und im vorderen Bereich ein kühler und 380 Meter langer Tunnelgang, der sich in tiefer Dunkelheit verlor. Jeder der Anwesenden konnte über sich die mehr als 150 Meter dicke Schicht Basaltgestein der Erpeler Ley physisch spüren, deren schiere Masse gleichermaßen bedrohlich schwer und schützend wirkte. Nicht einmal die regelmäßig vorbeifahrenden Züge der Bahnstrecke am Rhein waren zu vernehmen, obwohl sie kaum mehr als 100 Meter entfernt vorbeidonnerten.
In dieser unwirtlichen Umgebung, wo sonst völlige Dunkelheit herrscht, bestimmte nun Licht den entscheidenden Eindruck des beginnenden Konzerts. Eine mehr als 50 Meter lange Lichtinstallation mit vielen Scheinwerfern illuminierte den Eisenbahntunnel weit hinein mit farbigen Lichtstreifen. Der Lichtkünstler Rolf Zavelberg verwandelte das rohe Betonbauwerk in eine faszinierend erleuchtete Halle. Die nach oben gerichteten Strahlen betonten die Konturen des Tunnels und akzentuierten das Halbrund des Gewölbes sowie die leichte Biegung des Tunnelgangs. [Fotos ansehen]
In den Tiefen des Tunnels entstanden schließlich, fast unmerklich, ferne, sanfte, lang anhaltende Töne von Trompete und Klarinette, die sich allmählich näherten. „Moving Sounds“ – der Name des Duos ist Programm, denn Markus Stockhausen und seine Partnerin Tara Boumann bewegten sich frei im Raum und spielten gekonnt mit der Akustik des Bauwerks. Sie ließen einzelne Klänge frei im Raum schweben und nutzen vorhandenen Hall und Echos, um ihre Improvisationen zu ergänzen; Töne verloren sich im Tunnel oder wurden von den Wänden zurückgeworfen, bald von den Musikern wieder aufgegriffen und fortgeführt. In vielfältigen Kombinationen entlockten sie ihren Instrumenten ungewöhnliche Klangnuancen. Stockhausens unglaublich lang anhaltenden sphärischen Töne auf Trompete und Flügelhorn blieben unprätentiös bescheiden, verzichteten bewusst auf die Demonstration von Technik und Fingerfertigkeit und strahlten dafür geradezu meditative Ruhe aus. Tara Bouman entlockte ihrem Instrument immer wieder außergewöhnliche Töne, die kaum noch an den typischen Klarinettenklang erinnerten. Faszinierend war das Zusammenspiel der beiden, die sich gegenseitig immer wieder neu inspirierten, ergänzten und in stetem Dialog befanden. In einem Wechselspiel von Klängen und Bewegungen demonstrierten sie in ihren improvisierten Stücken gleichermaßen Ausgeglichenheit und Energie.
Begleitet wurde diese intuitive Klangwelt von Rolf Zavelbergs subtiler Lichtinszenierung, die wechselnde Farbstimmungen erzeugte und ein Spiel aus Farbflächen und Schatten der Musiker auf eine große, freischwebende runde Leinwand brachte.
Am Ende des Konzerts hatten die Anwesenden ein besonderes akustisches wie visuelles Erlebnis in ungewöhnlicher Umgebung erlebt und dabei den Geist des Ortes und dessen Inspiration intensiv erleben können. Der Eisenbahntunnel wandelte sich in einen Klangraum, der eine beeindruckende Symbiose mit der Musik und dem Licht eingegangen war. Bewegung im Sinne von Verwandlung war an diesem Abend allgegenwärtig und hautnah zu spüren.
More review:
| Grandiose Schattenspiele mit der Silhouette der Musiker – Selten, wenn nicht einzigartig, war gewiss auch der Auftritt... Bonner General-Anzeiger | |
| Ein geradezu magischer Dreiklang von Musik, Licht und Raum – Zavelberg versteht es meisterlich, mit Schatten zu spielen,... Kölnische Rundschau |
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M. Stockhausen
Tara Bouman
Rolf Zavelberg
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